Wer bist du in einem Satz?
Ich bin Kostja und mache Kompliziertes einfach.
Was hat dich geprägt?
Dass es kein einziges Normal gibt. Meine Mutter kommt aus der Sowjetunion, mein Vater aus Deutschland, ich bin dazwischen groß geworden. In meiner Kindheit waren wir jeden Sommer bei der Verwandtschaft in Russland. Als ich fünfzehn war, sind wir nach Abu Dhabi ausgewandert, ich habe ein paar Brocken Arabisch gelernt, Abitur gemacht, Freunde aus allen Ecken der Welt gefunden. Ich denke, liebe und schätze in drei Kulturen. Das macht mich nicht zum Weltbürger, eher zum ewig Übersetzenden. Ich sehe selten nur eine Seite.
Was machst du eigentlich genau?
Ich löse Probleme, auch die, die der andere noch gar nicht sieht. Auf einer Party sagte ich mal "Designer". Eine Frau fragte, ob ich ihr ein Coverbild für ihr Buch mache. Klar. Dann fragte ich nach Umschlag, Rückenstärke, Druckerei, Papier, was aufs Backcover soll, und sie war überfordert. Aus dem Coverbild wurde die komplette Umschlaggestaltung, mit Projektmanagement und Begleitung beim Druck. Das passiert mir ständig. Ich sehe die ganze Kette, nicht nur das eine Teil, nach dem gefragt wurde.
Was siehst du, das andere übersehen?
Den ganzen Prozess. Du fragst mich nach einem Zahnrad, beschreibst Größe, Form und Beschaffenheit, und ich will trotzdem das ganze System verstehen, weil mir das nicht reicht. Ich kann dir folgen, aber perfekt wird es so nicht. Lässt du mich das ganze System sehen, dann liefere ich. Anders fühle ich mich auch nicht wohl, ich kann keinen kleinen Teil bearbeiten, wenn ich das große Ganze nicht kenne. Ich merke oft nicht, dass das nicht normal ist. Ich denke, alle wären so besessen vom Durchdringen der Dinge. Die meisten chillen einfach.
Woran erkennst du, dass etwas fertig ist?
Schlecht. Nichts ist vollkommen und ich kann immer etwas finden. Schlussmachen ist meine härteste Übung. Mein verlässliches Werkzeug ist Abstand. Wenn ich bis in die Nacht an etwas sitze, sehe ich nach dem Aufstehen, ob es gut ist. Oder welche zwei, drei Dinge noch geschliffen werden müssen. Dann ist es fertig.
Wann ist hässlich richtig?
Wenn Form und Funktion sich streiten, gewinnt Funktion. Der Fiat Multipla ist mein Lieblingsbeweis, hässlich und trotzdem richtig, drei Sitze vorne schlagen eine schöne Front. Funktioniert es, fackle ich nicht lange.
Was machst du, wenn du keine Idee hast?
Ich gehe raus. Am Schreibtisch kommt selten was. Ich schaue bei anderen, rede mit Menschen oder einer KI, bis es wieder läuft.
Welches Tool benutzen die meisten falsch?
KI. Die meisten behandeln einen Chatbot wie eine Gottheit, die alles weiß. Kein Wunder, es trägt Intelligenz im Namen. Entsprechend groß die Enttäuschung, wenn es dümmer wirkt als sie selbst. Gutes Prompten ist Führung. Ich muss einem Praktikanten eine komplexe Aufgabe so erklären, dass am Ende genau das rauskommt, was ich brauche. Kann ich das nicht formulieren, ist das Ergebnis Glücksspiel. Kann ich es, wird es brillant.
Wie gehst du an ein neues KI-Modell ran?
Ich habe keine Testfrage. Ich gehe direkt rein. Echte Aufgabe, echter Prompt, los. Ist das Ergebnis schlecht, war mein Prompt nicht präzise genug, selten das Modell. Für wichtige Sachen frage ich mehrere parallel, die LM Arena ist da für viele Fragen eine gute Adresse.
Was kann die Maschine inzwischen besser als du, und wie fühlt sich das an?
Ich finde es gut, wenn die Maschine etwas besser kann als ich. Dann werden wir zum Team. Ich muss nicht alles selbst können, ich muss wissen, wie ich das Beste raushole. Ein neues Modell malt mir einen Pelikan auf dem Fahrrad als SVG, GPT Image 2 konnte das sogar auf einem fingierten Screenshot. Beeindruckend. Das Werkzeug wird aber erst zur Waffe, wenn ich es begreife.
Wann arbeitest du am liebsten?
Nachts, wenn alles schläft. Ich sitze oft bis drei am Schreibtisch, ungestört. Ich mag es auch nach einem Abend unter Menschen. Eine Vorstellung, gute Gesellschaft, und danach nach Hause. Duschen und an den Schreibtisch, erfüllt von Gesprächen und beseelt vom Erlebten. Während andere runterkommen, fange ich an.
Was läuft, wenn du arbeitest?
Eine Playlist, die ich selbst kuratiere, sie heißt nebenbei. Persönlich und vielfältig, so wie ich. Liegt auf Spotify und Apple Music, hör ruhig rein.
Drei Tabs, die gerade offen sind.
Localhost, Perplexity, Higgsfield. Ich baue, ich recherchiere, ich generiere. So sieht es hier meistens aus.